2019
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Sich Gehör verschaffen und sich sichtbar machen

Dr. Esther Girsberger ist Autorin, Moderatorin, Kolumnistin. Sie ermuntert Frauen, sich vermehrt in der Öffentlichkeit zu Wort zu melden.

Frau Girsberger, Sie sind Autorin des Buchs «Abgewählt – Frauen an der Macht leben gefährlich» (2004). Ist das immer noch so?

Esther Girsberger:2004 hat die Statistik gezeigt, dass drei Mal mehr Frauen als Männer abgewählt worden sind. Ich habe die Statistik nicht nachgeführt, aber ganz sicher wäre das Verhältnis nicht mehr so krass. Wobei das wahrscheinlich eher damit zu tun hat, dass man generell kritischer geworden ist gegenüber Exekutivmitgliedern. Nicht zuletzt wegen der zunehmenden Personalisierung gegenüber Personen des öffentlichen Lebens.

Seit mehr als 25 Jahren stehen Sie in der Öffentlichkeit. Was hat sich in dieser Zeit für Frauen geändert?

Es gibt immer noch viel zu wenig Frauen an der Spitze von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Aber immerhin mehr als beispielsweise noch vor 20 Jahren, als ich Tagi-Chefredaktorin war. Damals war ich weit und breit die einzige Frau an der Spitze eines Publikumsmediums. Was dazu führte, dass die wenigen Frauen, die es gab, unter Dauerbeobachtung standen: wie kleidet sie sich, wo hält sie sich auf, was isst und trinkt sie, mit wem zeigt sie sich etc. Mittlerweile werden auch Männer auf Attribute reduziert. Aber immer noch weniger oft als die Frauen. 

Oft hört man von Männern, dass sie für die Frauen mitdenken – und sie deshalb auch ganz unter sich bleiben können. Ist «für Frauen mitdenken» genug?

Das ist Quatsch. Frauen konnten schon immer denken. Bevor sie das Frauenstimmrecht erhielten und bevor sie mindestens so gut ausgebildet waren wie Männer. Wobei ich nichts dagegen habe, wenn Männer ab und zu unter sich bleiben. Das tun wir Frauen ja auch. Denkend.

Welche Frauen aus dem bürgerlichen Lager setzen sich für Frauenanliegen ein? 

Eine ganze Reihe. Glücklicherweise ist es ja längst nicht mehr so, dass der Einsatz für Frauenanliegen rein ideologisch geprägt und damit den sog. Linken vorbehalten ist. Ohne den Einsatz bürgerlicher Frauen auf nationaler Ebene wäre beispielsweise die Aktienrechtsrevision, die Richtwerte für Geschlechter auf Kaderstufe vorschreibt, niemals durchgekommen.

> Webseite von Esther Girsberger: www.esther-girsberger.ch

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