2019, Neueste

Kunst von Frauen*

Ursina Gabriela Roesch (*1959), Multimedia-Konzept-Künstlerin, Kuratorin, Initiatorin von FAT Zürich (Femme Artist Table) und FATart Schaffhausen 

Frau Roesch, was denken Sie, haben Künstlerinnen heutzutage die gleichen Chancen wie ihre männlichen Kollegen?

Nein, niemals, denn das Geld ist noch nicht auf unserer Seite – und der Mangel an Geld beeinflusst die Existenz jeder einzelnen Künstlerin dramatisch. Gelebte Gleichstellung ist, wenn 50 % der gesprochenen Kulturförderung an Frauen, respektive Künstlerinnen gehen. In diesem Punkt wird der Gleichstellungsartikel weder auf städtischer, kantonalen noch Bundesebene realisiert. 
Heutzutage ist Kunst von Frauen zwar sichtbarer als früher, doch Sichtbarkeit alleine reicht nicht. Das Geld geht nach wie vor an männliche Künstler. Auch stellt sich die Frage, zu welchen Preisen welche Kunst angekauft wird von der öffentlichen Hand. 
Wir vom Netzwerk FAT, FATBoard, FATteam fordern diesbezügliche Transparenz und Korrektur zugunsten der Frauen. Auch rückwirkend. Denn erst mit genügend finanziellen Mitteln kann weibliche Kunst gebührend sichtbar gemacht werden.

Setzt weibliche Kunst andere Schwerpunkte als männliche Kunst?

Weibliche oder männliche Kunst gibt es nicht. Es gibt Kunst von Menschen. Meine Kunst zum Beispiel wird auch als männlich wahrgenommen. Der Blick, die Wahrnehmung ist von unserer Gesellschaft geprägt. 

Früher stiessen Künstlerinnen auf Widerstand: Ihre familiären Pflichten hielten sie auf Trab, ihre Kunst wurde nicht ausgestellt. Wie schafften es Künstlerinnen, wie zum Beispiel Helen Dahm (1878 – 1968) trotzdem, wahrgenommen zu werden?

Helen Dahm ist das Beispiel einer Frau, die keine Familie/Kinder hatte. Sie war eine entschiedene Frau, die ich sehr gerne kennengelernt hätte. Gesellschaftlich hatte sie es wohl nicht ganz einfach, doch sie war eigensinnig genug, ihren Weg trotzdem zu gehen. 

Welche weiteren Künstlerinnen hätten mehr Beachtung verdient?

Alle Frauen*! Damit meine ich mehr Präsenz in Kunstmuseen, Kunsthäuser, Kunsthallen. Mehr Stipendien, Werkbeiträge, Ankäufe zu einem angemessenen Preis, etc.

www.urgart.com
FATart.ch
femmeartisttable.blogspot.ch

Foto/Porträt: Evelyn Kutschera
Titelbild: FATart 2019, vorne Skulpturen von Liz Karvaly, hinten Fotografie von Ursina Gabriela Roesch

1 Kommentare

  1. Anna Fiegen sagt

    Da kann ich Ursina nur zustimmen: Auch wenn sich in den letzten Jahren einiges zugunsten der Förderung von Frauen in der Kunst getan hat, sind wir leider noch lange nicht bei gleichen Bedingungen für alle Geschlechter angekommen. Das muss sich erst noch entwickeln. Ein Umdenken findet erst langsam statt, und noch langsamer macht es sich beim Geld bemerkbar. Mit Bedenken nehme ich dagegen unter männlichen Kollegen wahr, dass sie sich jetzt schon “unterfördert” fühlen und meinen, es sei so ungerecht, dass heutzutage “nur noch Frauen Chancen auf Förderung haben”. Mehr Solidarität tut uns allen gut!

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