Heute, Medienfrauen
Schreibe einen Kommentar

Frauen für Wikipedia

Patrizia Laeri (*1977) ist Wirtschaftsjournalistin und Moderatorin beim Schweizer Fernsehen und widmet sich in ihrer #aufbruch-Kolumne für Ringier der digitalen Aufklärung und ökonomischen Analyse von Gender-Themen. Sie ist Beirätin des Institute for Digital Business der HWZ und wurde soeben als LinkedIn TopVoice Deutschland, Österreich und Schweiz ausgezeichnet. Gemeinsam mit SRF, Ringier und Wikimedia initiierte sie den Edit-a-thon «Frauen für Wikipedia». Dieser wird nun regelmässig durchgeführt.

Frau Laeri, weshalb sind Wikipedia-Einträge wichtig für Frauen?

Patrizia Laeri: Es ist generell wichtig, dass Frauen auch digital sichtbarer werden. Dafür kämpfe ich. 85 Prozent der Biografien auf der wichtigsten Informationsseite unserer Zeit, auf Wikipedia, sind männlich. 90 Prozent der Editoren sind Männer. Die Einträge über Frauen sind zudem oft kürzer und fokussieren mehr auf die Rolle als Mutter und Ehefrau. Es kann nicht sein, dass wir alte Vorurteile 1:1 in die neue Welt tragen. Ähnlich einem Hack-a-thon haben wir einen Edit-a-thon lanciert, Medienfrauen und -männer treffen sich gemeinsam zu einem Event und fluten Wikipedia mit Frauen-Biografien. Die Cracks von Wikimedia sind vor Ort und helfen, wenn Fragen auftauchen. Es entspricht vielen Frauen mehr, sich gemeinsam zu treffen, statt im stillen Kämmerchen zu arbeiten. Auch die Kultur der elitären Hacker auf Wikimedia kann abschreckend sein. Nehmen Sie das Beispiel von Physik Nobelpreisträgerin Donna Strickland. Ein männlicher Editor hat ihr den Eintrag auf der Plattform verwehrt. Das ist ein globales Problem: Jeder Wikipedia-Artikel muss mit Artikeln in Medien belegt werden. Aber Frauen sind in Medien eben oft nicht da. Und wer nicht in den Medien ist, der kommt nicht auf Wikipedia. Und wer es nicht auf Wikipedia schafft, hat weniger Bedeutung und ist nicht Geschichte. Ein Teufelskreis.

Inwiefern sind Schweizer Medien Teil des Problems?

Medien haben grosse Macht. Und grosse Verantwortung. Wir Journalistinnen haben die eine grosse Verantwortung, weibliche Role Models, Vorbilder auszugraben, ihnen eine Stimme und Plattform zu geben und so in den Köpfen etwas zu verändern. Gerade Fernsehen oder bildstarke Magazine haben die Macht neue Bilder und Vorbilder zu generieren. Den männlichen Journalisten kann man das nicht überlassen. Die tun das nämlich nicht. Sie interessieren sich nun mal mehr für Ihresgleichen und männliche Rollenbilder. Das nennt man homosoziale Kooptation und ist hinreichend erforscht. Das Problem ist, dass Wirtschaftsjournalistinnen immer noch sehr rar sind in der Schweiz.

Doch wir könnten Wandel bringen. Wir müssen Wirtschaftsfrauen reden lassen. Nur mal nochmals zur Rekapitulation. Wieviele der grössten 20 Konzerne in der Schweiz haben eine weibliche Chefin? Null. Null Prozent. Wieviele der 100 Schweizer Unternehmen haben eine weibliche Chefin? Drei. Drei Prozent. Wieviele der 253 Banken in der Schweiz haben eine Chefin? Vier. Das sind also 1.6 Prozent in der mächtigen Finanzbranche. 1.6 Prozent. Das ist vernichtend einflusslos. Deswegen ist es umso wichtiger, in den Medien und Sendungen auch Frauen zu haben, die noch nicht in der Geschäftsleitung oder CEO’s sind, aber auf dem Weg dahin.

Foto: Adrian Bretscher

> Patrizia Laeri auf Wikipedia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.