Politik

VR-Präsidentin eines Spitals

Beatrix Frey-Eigenmann (*1966), Kantonsrätin, engagiert sich für diverse Institutionen. Unter anderem als Verwaltungsratspräsidentin des Spitals Männedorf. Die Politikerin war bis Sommer 2018 Gemeinderätin in Meilen am Zürichsee.

Frau Frey-Eigenmann, was sind Ihrer Meinung nach die heutigen gesundheitspolitischen Herausforderungen?

Beatrix Frey-Eigenmann:Eine gute Gesundheitsversorgung hat einen hohen Stellenwert. Die hohe Lebenserwartung, der technische Fortschritt, die steigenden Ansprüche an die Verfügbarkeit medizinischer Leistungen, sowie diverse Fehlanreize haben in den letzten Jahren aber zu einer massiven Kostensteigerung im Gesundheitswesen geführt mit einem entsprechenden Anstieg der Krankenkassenprämien. Damit wir auch künftig für die ganze Bevölkerung eine qualitativ gute und bezahlbare Gesundheitsversorgung sicherstellen können, bräuchte es griffige Massnahmen auf allen Ebenen. Statt zu handeln, verliert sich die Politik jedoch in einem endlosen Hin- und Herschieben der Verantwortung und jeder hat seinen «Lieblingsschuldigen»: die Spitäler, die masslos investieren und nur auf Umsatzsteigerung aus sind, die Ärzte, die mit unnötigen Operationen ihre hohen Saläre aufbessern, die Krankenversicherer, die sich zu wenig für kostengünstige ambulante Behandlungen einsetzen, weil dies die Prämien- statt die Steuerzahler belastet, die Kantone, die mit Investitions- und Defizitbeiträgen Heimatschutz für ihre strukturschwachen Spitäler bieten und damit den Wettbewerb verzerren, die Patientinnen und Patienten, die im Krankheitsfall sofort das umfassende Leistungspaket vom Spezialisten wollen. Die Liste ist nicht abschliessend und zeigt vor allem eines: Es gibt keine einfachen Rezepte. Wir haben in der Schweiz eine ausgezeichnete Gesundheitsversorgung und bereits der Allgemeinversicherte hat sozusagen ein GA 1. Klasse. Das hat natürlich seinen Preis. Wenn wir uns diese Versorgungssicherheit und -qualität weiterhin leisten wollen, dann sollten wir die richtigen Anreize für eine Kostendämpfung setzen, statt die Verantwortung für die Finanzierung zwischen Prämien- und Steuerzahlenden hin- und herzuschieben.

Wichtig wäre eine einheitliche Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen. Zudem sollten die Leistungserbringer Rahmenbedingungen erhalten und so abgegolten werden, dass ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis gefördert und eine Überversorgung sanktioniert wird. Ausserdem sollte die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung gestärkt werden. Für Menschen, die ihrer Gesundheit Sorge tragen und sich um eine günstige Behandlung bemühen, sollte sich das bei ihrer Krankenkassenprämie und ihren Gesundheitskosten auszahlen.

Ärztinnen in Führungspositionen sind nach wie vor eine Seltenheit. Wie lässt sich dem Fortbestehende struktureller Ungleichheit von Männern und Frauen in der Branche, entgegenwirken?

Eine medizinische Karriere erfordert eine ausserordentlich lange Ausbildung mit sehr hohen Präsenzzeiten im klinischen Alltag. Das macht es für Ärztinnen noch herausfordernder, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen als in anderen Branchen. Anders als ihre männlichen Mitbewerber haben Ärztinnen aus biologischen Gründen zudem weniger Möglichkeiten, ihre Familienplanung zeitlich nach hinten zu schieben. Trotzdem bin ich optimistisch, dass wir künftig mehr Ärztinnen in Führungspositionen haben werden. Denn erstens ist der Frauenanteil in der Medizin in den letzten Jahren deutlich gestiegen – man spricht von einer eigentlichen Feminisierung der Medizin. Zudem ist man heute in den Spitälern offener, was neue Beschäftigungs- und Führungsmodelle betrifft. Und auch der Regulator wird seine Anforderungen überprüfen müssen; es wäre ein Eigentor, wenn das grosse Potenzial der gut ausgebildeten Ärztinnen durch allzu starre Rahmenbedingungen (wie zum Beispiel jährlich zu erreichende Fallzahlen) nicht genutzt werden könnte.

Welche Frauen sollten unsere Leserinnen und Leser kennen?

Unsere vier Frauen in der Spitalleitung des Spital Männedorf. Sie machen nicht nur einen tollen Job, sondern sind der Beweis, dass es engagierte und qualifizierte Frauen an die Spitze schaffen:

Dr. med. Margaret Hüsler, Chefärztin Gynäkologie und Geburtshilfe. Sie führt ihre Klinik mit Kompetenz und Leidenschaft und ermöglicht den Frauen eine natürliche Geburt im sicheren Spitalumfeld. Sie hat eine der tiefsten Kaiserschnittraten.

Susanne Stierli, Leiterin Pflegedienst. Unter ihrer professionellen und umsichtigen Führung tragen fast 400 Pflegekräfte tagtäglich dazu bei, dass sich die Patientinnen und Patienten im Spital kompetent umsorgt fühlen.

Denise Haller, Leitung OP-Management und Spezialstationen. Dreh- und Angelpunkt im Spital ist ein gut funktionierendes OP-Management. Denise Haller sorgt dafür, dass die komplexen Ausrüstungen und Abläufe aufeinander abgestimmt sind, die Teams rechtzeitig einsatzbereit und alles zusammen möglichst reibungslos funktioniert.

Dr. Nicola Fielder, Leiterin Human Resource Management. Als Personalchefin setzt sich Nicola Fielder für zeitgemässe Arbeitsbedingungen ein, die es unseren Angestellten ermöglicht, Beruf und Familie in Einklang zu halten. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag, dass gerade das weibliche Fachkräftepotenzial ausgeschöpft werden kann.

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> www.spitalmaennedorf.ch