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Die erste auf der Welt, die …

Cornelia Ruppert (*1972) ist die erste Pilotin auf der Welt, die ein elektrobetriebenes Leichtsegelflugzeug fliegt. Sie hat soeben die Ausbildung zur Leichtsegelflug-Lehrerin abgeschlossen.

Frau Ruppert, Sie fliegen den Archaeopteryx. Was unterscheidet dieses Flugzeug von anderen Segelflugzeugen?

Cornelia Ruppert: Der Archaeopteryx ist ein Leichtsegelflugzeug. Mit einem Gewicht von 64 Kilogramm ist es viel leichter als herkömmliche Segelflugzeuge. Es kann vom Boden aus zu Fuss, durch Rennen, gestartet werden, oder, was neu und revolutionär ist, auch elektrisch. Im hinteren Teil hat das Flugzeug einen Propeller (ich sage immer, das ist mein Hexenbesen).
Je nach Wind braucht man eine Startstrecke von 30 bis 50 Meter. Mit dem Akku erreiche ich eine Flughöhe von bis 1’800 Meter.

Zu welchem Zeitpunkt wird der Motor abgestellt?

Etwa auf 200 bis 300 Meter über Grund. Wenn es schönen Aufwind (Thermik) hat, kann man stundenlang nur mit der Kraft der Aufwinde fliegen, – auch Distanzen von bis zu 500 Kilometern.

Wie mit einem Heissluftballon?

Heissluftballone sind mehr vom Wind abhängig und können nicht gleich gelenkt werden wie Flächenflugzeuge. Der Archaeopteryx wird wie ein Segelflugzeug gesteuert. Er fliegt etwa halb so schnell wie ein grösseres Segelflugzeug, was auch Vorteile mit sich bringt. Durch die niedrigere Geschwindigkeit kann näher am Gelände geflogen und die kleinen Aufwinde können genutzt werden.

Was meinen Sie, werden wir bald einmal mit Elektroflugzeugen in die Ferien fliegen?

Das ist noch Zukunftsmusik. Grosskonzerne investieren zurzeit astronomische Summen in der Forschung. Doch das Ziel ist schon, auch Passagierflugzeuge mit Elektro fliegen zu können.
Mit dem Archaeopteryx kann natürlich schon jetzt in die Ferien geflogen werden, halt nur alleine, was aber auch seinen Reiz hat.

In der Schweiz ist der Archaeopteryx das erste Flugzeug dieser Art, das in Serie produziert worden ist. Wie kam es dazu?

Das Flugzeug war schon der Traum meines Schwiegervaters. Er hat bereits in den 70er-Jahren versucht, einen fussstartbaren Segelflieger zu bauen. Die Materialien waren damals noch nicht so gut wie heute und diverse Dinge liessen sich auch noch nicht so gut berechnen.
Mein Mann Roger hat alle diese Flugversuche als kleines Kind miterlebt: Versuch – kaputtes Flugzeug – wieder zusammenflicken – wieder Versuch …

Als er an der ZHAW Maschinenbau im Leichtbau studierte beschäftigte er sich in einer Arbeit damit, ob das Starten des Segelflugzeuges ohne fremde Hilfe physikalisch überhaupt möglich ist. Seine Forschung war erfolgreich und so baute er den Prototyp des Archaeopteryx.

Sie sind eine flugbegeisterte Familie.

Ja. Ich habe schon als Kind vom Fliegen geträumt und mit 22 Jahren damit angefangen. Nun bin ich ein stolzer Teil einer Aviatik-Familie. Unser 15-jähriger Sohn verbringt schon  jetzt jede freie Minute in der Luft. Als Flugtalent wird er von einem Flug-Götti gesponsert.

Fotos: Ruppert Composite
Erstes Beitragsfoto: Alain Dubau

> Cornelia Ruppert, Ruppert Composite