2019, Heute
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Feminist

Nils Jocher ist Präsident des Vereins «Die Feministen».

Herr Jocher, gemeinsam mit anderen Männern und Frauen haben Sie den Verein «Die Feministen» gegründet. Wie kam es dazu?

Nils Jocher: Gemeinsam mit anderen Aktivist_innen haben wir im Campaign Bootcamp 2018 zahlreiche politische Diskussionen geführt. Ein grosser gemeinsamer Nenner war dabei die Überzeugung, dass eine gerechte Welt nur möglich ist, wenn wir es schaffen, aus den vorherrschenden Rollenbildern und Unterdrückungsmechanismen aufgrund des Geschlechtes auszubrechen.
Dabei war schnell klar, dass aktuell vor allem für Männer eine Plattform fehlt, um sich für feministische Anliegen einzusetzen und über kritische Männlichkeit nachzudenken. Den Verein haben wir dann letzten August kurz über knapp um halb elf nachts mit über 20 Anwesenden gegründet. 

Was sind die Ziele des Vereins? Und wer soll angesprochen werden?

Wir wollen in erster Linie Männer für Gleichstellungsthemen sensibilisieren und sie dazu anregen sich einzubringen. Wir wollen uns mit den bestehenden feministischen Bewegungen solidarisieren und unseren Teil beitragen. Zum Beispiel indem wir im Rahmen des Frauenstreiks Hintergrundarbeiten übernehmen.
Wir wollen Diskussionsräume schaffen um über die Rolle von Männern in unserer Gesellschaft nachzudenken und diese kritisch zu hinterfragen. Feminismus ist für uns die Bewegung hin zu einer Welt, in der niemand aufgrund des Geschlechtes oder der sexuellen Orientierung diskriminiert wird.

Haben Sie Aktivitäten geplant?

Ja, aktuell sind wir daran in den grösseren deutschsprachigen Städten der Schweiz regelmässige «Stammtische» zu veranstalten, um eben jene Diskussionen führen zu können. Das Interesse an solchen Veranstaltungen ist grösser, als wir anfänglich gedacht haben. Aber umso schöner, dass zahlreiche Männer, und auch Frauen, die sich bei uns engagieren etwas tun wollen gegen die strukturelle Diskriminierung von Frauen in unserer Gesellschaft. Es kann ja schliesslich nicht sein, dass Frauen weniger häufig vertreten sind in Parlamenten & Kaderpositionen. Frauen kommen in den Medien weniger oft vor und bekommen weniger Lohn für die gleiche Arbeit. Das Thema sexuelle und häusliche Gewalt ist ebenfalls ein ganz düsteres Kapitel unserer heutigen Gesellschaft.  Männer hingegen sind heute krimineller & begehen häufiger Suizid. Das sind Verhältnisse, die so nicht tragbar sind. Für niemanden. Deswegen braucht es das Engagement von Frauen und Männern in der feministischen Bewegung.
Mittelfristig wollen wir auch mit Workshops über toxische Männlichkeit unterwegs sein oder uns bei gemütlichen Filmabenden treffen und austauschen. Etwas, was in der Schweiz ebenfalls noch viel zu wenig wahrgenommen wird, sind Männlichkeitsbilder abseits der vorherrschenden Norm. – Auch da wollen wir aktiv sein.

Welche Feminist_innen sollten unsere Leserinnen und Leser kennen?

Ou. Vermeintlich wichtige Männer gibts schon ganz viele auf dieser Welt. Ich empfehle vor allem den Lesern, aber natürlich auch den Leserinnen und allen die sich nicht in binäre Schubladen einordnen lassen von Herzen mal einige Texte und Bücher von spannenden Frauen zu lesen. Ich mag die Bücher von Margarete Stokowski oder Mary Beard. Und Grundlagenliteratur à la Simone de Beauvoir oder Virginia Woolf schaden sicherlich nie.

www.feministen.ch
www.nilsjocher.ch

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