2019
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Eine zentrale Rolle

Prof. Dr. Regina Wecker (*1944), emeritierte Professorin für Frauen- und Geschlechtergeschichte war eine Pionierin in Sachen Geschlechterforschung in der Schweiz. 1998 erhielt sie den Wissenschaftspreis der Stadt Basel. 2015 den Chancengleichheitspreis beider Basel.

Frau Wecker, Sie sind Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Frauen- und Geschlechterforschung. Was sind die Schwerpunkte dieser Gesellschaft?

Prof. Dr. Regina Wecker: Nein, das bin ich nicht. Die Gesellschaft heisst heute «Schweizerische Gesellschaft für Geschlechterforschung (SGFGF)». Präsidentin ist seit diesem Jahr, Janine Dahinden (Uni Neuenburg), vorher war Andrea Maihofer (Uni Basel) fast 10 Jahre Präsidentin. Ich war Gründungsmitglied (gegr. 1997) und langjährige Präsidentin der Vorgängergesellschaft «Schweizer Gesellschaft für Frauen- und Geschlechterforschung».

Als Ziele wurden an der letzten Sitzung die Dauerbrenner-Themen erneut formuliert: 1. die Institutionalisierung der Gender Studies an Universitäten, in der Forschung und in der angewandten Wissenschaft, 2. Vernetzung aller Kräfte, die in diesem Bereich tätig sind 3. Sichtbarmachung der Gender Studies in der Öffentlichkeit. 

Welche Rolle spielten frühere Frauen im Wirtschaftsleben?

Wenn unter Wirtschaftsleben die Vielfalt der wirtschaftlichen Tätigkeiten zu verstehen ist, dann spielten Frauen eine zentrale Rolle, in der Hauswirtschaft, in der Landwirtschaft, aber auch im Finanzwesen als Geldgeberinnen. Ohne sie funktionierte die Wirtschaft nicht. Nur waren ihre Positionen – so wichtig sie waren – meist nicht mit Entscheidungskompetenzen verbunden.

Und heute? Was hat der Feminismus in der Schweiz bis jetzt erreicht? – Was noch nicht? 

Erreicht wurde die formalrechtliche, gesetzliche Gleichstellung von Frauen und zumindest die intensive Diskussion über alles das, was noch fehlt, nämlich die tatsächliche Gleichstellung in Familie, Beruf und Lohn. 

Ist Erwerbstätigkeit auch ein Machtfaktor?

In der Erwerbswelt werden die Weichen für die gesellschaftliche Entwicklung gestellt. Oft sind die multinationalen Firmen mächtiger als die nationalen Politiken. Die Teilhabe an diesen Entscheidungen ist ein zentraler Machtfaktor. 

Welche Feminismus-hemmende Faktoren gibt es? 

Macht, Angst vor Machtverlust, Traditionen, Angst vor Veränderung, Faulheit

Nach wie vor arbeiten viele Frauen ehrenamtlich und stehen nach einer Scheidung oder im Alter mittellos da, wie könnte das geändert werden?

Ehrenamtlich? Ich sehe eher, dass sie familiäre Erziehungs- und Betreuungsarbeiten – von Kindern bis zur Elterngeneration – sowie Haus- und Unterstützungsarbeiten übernehmen. Erwerbstätigkeit ist mit diesen Arbeiten immer noch schlecht zu verbinden. Aber das Ergebnis ist tatsächlich, dass sie schlecht abgesichert sind. 

Die Änderungsvorschläge sind so alt wie das Problem: bessere und flexiblere Teilzeitarbeitsmodelle für Männer und Frauen und die Bereitschaft von Männern Teilzeit zu arbeiten und die häusliche Arbeit zu übernehmen. Bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten. 

Welche Frauen/Pionierinnen sollten unsere Leser_innen kennen?

Regina Kägi-Fuchsmann (Schweizer Flüchtlingshelferin im 2. Weltkrieg), Louise Schröder (Bürgermeisterin in Berlin 1947), Alice Kessler-Harris (amerikanische Historikerin im Bereich Frauenlohnarbeit)

Prof. Dr. Regina Wecker, Uni Basel

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