2019

Eine feministische Fakultät

Erika Bachfrau ist Mitgründerin und Vorstandsfrau der feministischen fakultät fem!

Frau Bachfrau, wie entstand die feministische fakultät?

Erika Bachfrau: Die Idee dazu entwickelte sich an einem Nachmittag bei Kaffee, Kuchen und Sahne an einem Treffen ehemaliger Studentinnen des European Women’s College Zürich. Auch 20 Jahre nach dem Studiengang, den wir von 1995 bis 1997 absolviert hatten, loderte bei uns die Neugier und Lust an feministischen Themen. Elisa Gämlich Schmuki und ich nahmen den Faden auf und spannen ihn weiter. Dann hielten wir Ausschau nach geeigneten Frauen, die uns dabei unterstützen konnten, unsere Vision auf dem Boden der Realität zu verankern und wurden fündig. Zusammen mit Zita Küng, Laura Lots und Léa Burger gründeten wir im Dezember 2017 den Verein feministische fakultät fem! mit Sitz in Winterthur. 

Was wird in der feministischen fakultät gelehrt?

Unsere Kultur weisst sehr viele Aspekte auf, die mit einem feministischen Blick hinterfragt werden können. Die feministische fakultät will den Teilnehmerinnen Denk-Räume öffnen, die sich mit ihren eigenen Leben verknüpfen lassen und zu grösserer Selbstbestimmung und mehr Entscheidungsmacht führen.  Auswahl für den Lehrgang 2018/19:

  • Feministische Kritik der politischen Ökonomie (mit Mascha Madörin)
  • FrauenWissenKörper – sinnlich sinnvoll selbstbestimmt (mit LuciAnna Braendle)
  • Frauen in Georgien – aktuelle Fragen (mit Giuli Shabashvili und N.N. aus Tiflis)  
  • Weiberpotenzial und Frauenpotenz (mit Gudrun Schnekenburger und Carola Berszin) 
  • Gender in Sprache, Gespräch und Humor (mit Helga Kotthoff)
  • Gesellschaftliche Strukturen und Recht (mit Zita Küng)

Was denken Sie, wird unsere Gesellschaft immer feministischer? 

Die Zeit war unserem Vorhaben gewogen. Das Interesse am Feminismus wächst. So nahmen an unserem ersten Lehrgang 26 und am zweiten 24 Frauen teil. Frauen unterschiedlichsten Alters und Lebensentwürfen. Für eine Weiterbildung, die das immer noch umstrittene Wort feministisch verwendet ist das ein Erfolg. Insofern sage ich: Ja, unsere Gesellschaft wird feministischer. Bei der Definition des Begriffs Feminismus orientiere ich mich an der Aussage von Franziska Strub, wissenschaftliche Mitarbeiterin der PHZH:

»Feminismus ist eine gesellschaftspolitische Bewegung, welche die Diskriminierung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts überwinden will.«

Wie wäre Ihr Leben verlaufen, wenn Sie ein Mann wären?

Eine schwierige Frage. Wenn ich meine Herkunft betrachte, hätte ich – wie für meinen Bruder vorgesehen – einen Beruf gelernt, Geld verdient, geheiratet, Kinder gezeugt und meine Familie ernährt – wenngleich diese Zuschreibung (wer ernährt eigentlich wen?), auch hinterfragt werden kann. Hätte ich etwas vermisst? Hätte ich einen Grund gehabt, nach einem anderen Lebensverlauf Ausschau zu halten? Ich weiss es nicht.

>  feministische fakultät fem!

2 Kommentare

  1. Fernanda sagt

    Liebe Bachfrau
    Deinen Beitrag habe ich gerne gelesen.
    Es ist immer gut, genau zu überlegen, was frau von sich weiss und was frau von sich zeigen will/kann/möchte.
    Herzliche Grüsse
    von EWC-Kollegin F.

  2. Esther Gisler Fischer sagt

    Aus meiner Sicht war und ist Feminismus immer mehr als die Überwindung jedwelcher Diskriminierung. Um nicht weniger als ‚Weltgestaltung‘ geht es mir damit: „Gutes Leben“ für Mensch, Tier und Pflanzen und ein gerechteres Miteinander!

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