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Marie Goegg-Pouchoulin

(1826 – 1899) war die erste Schweizer Frauenrechtlerin. Sie war eine der wichtigsten Kämpferinnen für das Frauenstimmrecht und setzte sich für die die zivilrechtliche und politische Gleichstellung der Frauen in der Schweiz ein.

Marie Goess-Pouchoulin, eine Pionierin des egalitären Feminismus, wurde zur Symbolfigur für den progressiven Flügel der Frauenbewegung in der Westschweiz. Mit der Gründung einer Internationale der Frauen hatte sie auch über die Landesgrenzen hinaus zukunftsweisende Impulse gegeben.

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Nadeschda Suslowa

(1843 – 1928) war die erste Russin und gleichzeitig die erste Frau, die sich an der Universität Zürich immatrikulieren durfte. Zwei Jahre später folgte ihr mit Marie Heim-Vögtlin die erste Schweizer Medizinstudentin an der Universität Zürich.

Als Pionierin des Frauenstudiums war Nadeschda Suslowa Vorbild für viele Russinnen, die bis zum 1. Weltkrieg in der Schweiz studierten.

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Historisches Lexikon der Schweiz

Rollenbilder aufbrechen

Doris Stump (1950), Literatur- und Sprachwissenschafterin, Verlegerin, Nationalrätin von 1995-2011. Sie engagiert sich seit jeher für die Gleichstellung von Frau und Mann und gegen Gewalt an Frauen.

Frau Stump, welchen Einfluss hat Sexismus in den Medien und in Werbung auf das Selbstverständnis der Frauen?

Medien und Werbung bilden Frauen- und Männerbilder ab und können sie verstärken oder verändern, und zwar mit Sprache und Bildern.

Was können Medien heute dazu beitragen, damit sich diese Rollenklischees auflösen?

Sie können mehr Frauen in Führungspositionen stellen, mehr Expertinnen zu Wort kommen lassen, Frauen explizit nennen und nicht einfach mitmeinen, Frauen über ihre Qualifikationen und nicht über ihr Aussehen und ihre Kleider definieren, darauf hinweisen, dass Care-Arbeit meist von Frauen und gratis oder schlecht bezahlt geleistet wird, Gewalt an Frauen konsequent kritisieren,  Handlungsnotwendigkeiten der Politik aufzeigen etc. etc.

Als Sie aufwuchsen waren Frauen in der Schweiz in mancherlei Hinsicht benachteiligt. Wie gingen Sie damit um?

Ich machte das Beste aus der Situation und nahm meine Chancen wahr. Als mir bewusst wurde, wie subtil, zum Beispiel über die Sprache, Frauen und andere soziale Gruppen diskriminiert werden, eignete ich mir die wissenschaftlichen Erkenntnisse der feministischen Linguistinnen wie Luise F. Pusch und Senta Trömel-Plötz an und brachte sie in die politische Diskussion ein.

Wie kommt es, dass sich patriarchalische Strukturen so hartnäckig halten?

Das Patriarchat hat sich während Jahrhunderten in der Kultur verankert und Rollenbilder geprägt, die in den Köpfen jeder Person sitzen und alle gesellschaftlichen Strukturen durchdringen. Männer und Frauen müssen diese Rollenbilder aufbrechen und Privilegien und Bequemlichkeiten abgeben. 

Wie wäre Ihr Leben verlaufen, wenn Sie ein Mann wären? Wie wäre Ihr heutiger Alltag?

Ich hätte Physik studiert und wäre als Lehrer und Forscher tätig gewesen.

Welche Feministinnen sollten unsere Leser_innen kennen?

Meta von Salis-Marschlins, Iris von Roten, Luise F. Pusch, Nicole Althaus, Patti Basler, Tamara Funiciello

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Was uns verbindet, nicht was uns trennt

Dr. iur. Sibylle von Heydebrand setzt sich lokal und global für politische, rechtliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung ein. Frauen und Männer sollen auf Augenhöhe zusammenleben. Sie plädiert zudem für eine bessere Verankerung des langen Wegs zur Gleichberechtigung im historischen Gedächtnis der Schweiz.
2016 war sie Präsidentin des Jubiläumskomitees «50 Jahre Frauenstimmrecht im Kanton Basel-Stadt». Mit ihrem Projekt «FrauenBasel» setzt sie sich für die Sichtbarkeit des Engagements von Frauen und Frauenorganisationen ein. Sie ist Mitglied der International Alliance of Women und ab Januar 2020 internationale NGO Vertreterin am Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen in Genf. Sie arbeitet als Dozentin in der Berufs- und Erwachsenenbildung.

Sibylle von Heydebrand, warum sollen wir zurückblicken und uns mit dem langen Weg zur Gleichberechtigung befassen?

Sibylle von Heydebrand: Am Anfang steht die Pflege einer Erinnerungskultur, damit die Geschichte der Unabhängigkeit der Frauen im historischen Gedächtnis der Schweiz besser verankert wird. Denn wer sich nicht erinnert, kann nicht aus der Geschichte lernen. «Lessons Learned» bedeutet, aus Erfahrungen neue Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen.

Und was sind nun die Lessons Learned?

Der lange Weg zur politischen Gleichberechtigung von Frauen und Männern zeigt exemplarisch auf, wie ein fundamentaler gesellschaftlicher Wandel in der Schweiz herbeigeführt werden kann.
Dabei ist zweierlei bemerkenswert: Erstens hat die Schweizer Frauenbewegung – trotz grosser Differenzen innerhalb der Bewegung – über Generationen hinweg eine Taktik entwickelt, mit der sie die Männer überzeugen konnte, ihnen das Stimmrecht und damit die politische Gleichberechtigung zuzugestehen. Nirgendwo anders auf der Welt haben sich die Frauen ihre politischen Rechte gegen einen männlichen Souverän erkämpft. Zweitens ist auch beachtenswert, dass erst der Wunsch, die Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten des Europarates (EMRK) zu ratifizieren, den vermutlich entscheidenden Schub gab, der 1971 auf eidgenössischer Ebene zur Einführung des Frauenstimmrechts führte. Die vorbehaltlose Unterzeichnung der EMRK bedeutete internationalen Respekt für die Schweiz und war deshalb den (männlichen) Stimmberechtigten wichtig – wichtiger als weiterhin Widerstand gegen das Frauenstimmrecht zu leisten.

Lessons Learned: Beides, hartnäckige Überzeugungsarbeit über Generationen und Wahrung der internationalen Reputation, waren ausschlaggebend für den gesellschaftlichen Wandel. 

Gemäss einer neuen Studie des UNO-Kinderhilfswerks Unicef (2019) belegt die Schweiz bei der Familienfreundlichkeit in Europa den letzten Platz. Dieses Ergebnis ist kein Ruhmesblatt für die Schweiz und könnte einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie Schubkraft verleihen – so wie 1971 die Unterzeichnung der EMRK die Einführung des Frauenstimmrechts beschleunigt hat.

Die politische Gleichberechtigung ist prima vista aus rechtlicher Sicht erreicht, nicht jedoch die tatsächliche gleichberechtigte Teilhabe der Frauen in der Politik. 

Was ist Ihrer Meinung nach zu tun?

Frauen sind noch immer auf allen politischen Ebenen untervertreten. Um die tatsächliche gleichberechtigte Teilhabe der Frauen in der Politik zu erreichen, bedarf es der Erkenntnis der politischen Parteien, dass hier Handlungsbedarf besteht und ihnen hier eine Schlüsselrolle zukommt. Die Ergebnisse der Parlamentswahlen im Herbst 2019 zeigen, dass die politischen Parteien auf dem richtigen Weg sind.

Wo verorten Sie weitere Baustellen auf dem Weg in eine gleichberechtigte Gesellschaft?

Viele Diskriminierungen aufgrund des Geschlechtes sind in den letzten Jahrzehnten beseitigt worden. Die materielle Gleichberechtigung ist jedoch nicht erreicht. Ungleichheiten mit wirtschaftlich negativen Konsequenzen für Frauen erweisen sich als hartnäckig: So fordern Frauen seit über hundert Jahren gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit, erstmals 1873, am 1. Schweizer Arbeiterkongress. Seit 1981 ist diese Forderung explizit in der Bundesverfassung verankert. Seit Jahrzehnten lautet der Tenor, dass es sich mit dem Gerechtigkeitsempfinden nicht vereinbaren lässt, Frauen für gleiche oder gleichwertige Arbeit schlechter zu bezahlen. Die tieferen Frauenlöhne haben existentielle Folgen; so sind Frauen viel öfter von Altersarmut betroffen und alleinerziehende Frauen überdurchschnittlich häufig auf Sozialhilfe angewiesen. 

Gewalt an Frauen wird in der Schweiz immer noch verharmlost. Jede fünfte Frau ist in der Schweiz von sexueller Gewalt betroffen, über 50 % der Frauen von sexueller Belästigung. Die in der Kriminalstatistik erfassten Fälle sind nur die Spitze des Eisbergs, die Dunkelziffer ist hoch: Gemäss einer Studie (2019) wollen fast die Hälfte der betroffenen Frauen den Vorfall sexueller Gewalt für sich behalten.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Kinderbetreuung mit Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub, gerechte Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, wirtschaftliche Gleichstellung in der Altersvorsorge, paritätische Vertretung der Geschlechter in Politik und Wirtschaft, gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, Reduktion und Enttabuisierung der Gewalt an Frauen – diese Postulate sind nicht sogenannte Frauenanliegen, sondern tangieren die ganze Gesellschaft. Die Gleichstellung der Geschlechter mit ihrer politischen und materiellen Gleichberechtigung ist ein Gebot der Gerechtigkeit.

Was können Männer zur Gleichberechtigung beitragen?

Weil gesellschaftspolitische Fragen von Frauen und Männern gemeinsam zu beantworten sind, sind Männer somit der eigentliche Schlüssel zur Gleichberechtigung. Nur gemeinsam wird der gesellschaftliche Wandel geschehen. Darum ist es sehr wichtig, dass wir nicht von «Frauenanliegen» reden, sondern von Gesellschaftspolitik. Die Gleichberechtigung ist dann erreicht, wenn Männer und Frauen erkennen, dass ein Leben auf Augenhöhe in der Wirtschaft, in der Politik und im Privaten für alle ein Mehrwert ist.

Sie haben das Frauennetzwerk «FrauenBasel» gegründet. Welche Bedeutung haben solche Netzwerke?

Frauennetzwerke bieten Solidarität und sind eine Anlaufstelle. Frauen können sich beispielsweise über ähnliche berufliche Hürden, aber auch über Erfolge austauschen oder Vorbilder treffen. Dadurch können sie sich ihrer eigenen Chancen und Talente bewusster werden. Sie können ihre Kräfte bündeln und Projekte koordinieren. Frauennetzwerke sind wichtig als Ergänzung zu gemischten Netzwerken.

Studien belegen jedoch, dass sich Frauen in Netzwerken anders verhalten als Männer: Frauen knüpfen tendenziell weniger Kontakte und orientieren sich auch weniger an einflussreichen Kontakten. Weiter haben viele Frauen Hemmungen, soziale Beziehungen für die Karriere zu nutzen. Zudem unterschätzen Frauen ihren Wert, so die Ergebnisse der Forschung. Wollen Frauen weiterkommen, so setzt dies voraus, dass sie sich selbstbewusst und nicht nur in reinen Frauennetzwerken bewegen.

Und wofür setzen Sie sich auf internationaler Ebene ein?

Ich bin Mitglied der International Alliance of Women (IAW), einer globalen Frauenorganisation, die sich unter anderem besonders für schutzbedürftige Frauen und Mädchen einsetzt. Eine wichtige Ursache von Diskriminierung und sexueller Gewalt gegenüber Frauen, insbesondere in armen Ländern inmitten militärischer Konflikte, ist die fehlende Gesundheitserziehung. Die finanziellen und personellen Ressourcen für eine Erziehung über sexuelle und reproduktive Gesundheit fehlen gänzlich. Fakt ist, dass Menstruation oft stark tabuisiert wird und oft weder Monatsbinden noch separate Toiletten mit Privatsphäre und Waschgelegenheit vorhanden sind. Fatale Konsequenz ist, dass Mädchen in armen ländlichen Gegenden monatlich bis zu fünf Tagen der Schule fernbleiben. Dieses Problem geht die International Alliance of Women mit dem Projekt «Water and Pads for School Girls – Wasser und Binden für Schülerinnen» an. Im Fokus steht die sexuelle Aufklärung an Schulen in ländlichen Gegenden Afrikas und Asiens. Dieses Projekt unterstütze ich.

Geschlechtergerechtigkeit sowie die Förderung von Frauen und Mädchen sind regelmässig Themen internationaler Konferenzen der Vereinten Nationen: Als Delegierte der International Alliance of Women habe ich im Frühling 2019 an der 63. Sitzung der Kommission der Vereinten Nationen zur Rechtstellung der Frau (UN Commission on the Status of Women, UN CSW) in New York und im Herbst 2019 am «Beijing+25 Regional Meeting for the UNECE Region» der Vereinten Nationen (UN) in Genf teilgenommen. Ab Januar 2020 bin ich ständige internationale NGO Vertreterin am UN Menschenrechtsrat in Genf. An der UNO akkreditierte NGO entsenden Vertreterinnen und Vertreter und lassen so die Stimme der Zivilgesellschaft einfliessen.

In internationalen Gremien, wie funktioniert dort die Zusammenarbeit?

Wenn sich auch die Programme der politischen Parteien und Akteure in den internationalen Gremien unterscheiden, so verfolgen wir doch alle die gleichen Ziele: höhere Partizipation der Frauen in der Politik, insbesondere in den Parlamenten, sowie mehr Sicherheit und wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen. Wir evaluieren erfolgreiche Modelle – «Best Practice» – und konzentrieren uns auf das, was uns zusammenbringt und verbindet, nicht was uns trennt.

Foto: Michel Matthey de l’Etang

www.frauenstimmrecht.ch
http://www.frauenbasel.ch

Publikation:
Von Heydebrand, Sibylle: Stimmrecht und kantonale Autonomie: Allgemeines und gleiches Stimmrecht am Beispiel der Nordwestschweizer Kantone, Basel 2019

In den Medien:

50 Jahre Frauenstimmrecht: Gerechtigkeit ist der Motor, der uns bewegen sollte, BZ Basel vom 24. Juni 2016

“Feministin mit Herz und Stil”, Basler Zeitung vom 8. August 2017
sowie weitere Artikel

Pilates oder Yoga?

Susanne Kunz ist Moderatorin beim Schweizer Fernsehen, Schauspielerin und Kabarettistin.

Frau Kunz, Sie haben als Mutter von zwei Kindern Karriere gemacht. Was sollten junge Frauen beachten, die Ihrem Beispiel folgen wollen?

Susanne Kunz: Sich bewusst sein, dass die Doppelbelastung zehren wird, wohl merkbar erst nach einigen Jahren. Sich auch unbedingt immer wieder Auszeiten gönnen, um neue Energie zu finden. An sich selber denken und sich Gutes tun ohne schlechtes Gewissen! Den Druck, überall perfekt sein zu müssen abbauen und auch mal 5 grade stehen lassen. 

Gelten in der Unterhaltungsindustrie unterschiedliche Standards für Männer und Frauen?

Ich denke schon, dass die Frauen mehr nach dem Äusseren beurteilt werden und schneller zu alten Eisen gehören, als Männer. Es gibt weniger Film-und Theaterrollen für Frauen als für Männer, das ist immer noch sehr unausgeglichen. Frauen ab 40 werden kriegen weniger Angebote als jüngere Frauen. Im TV sieht man immer wieder sehr alte Männer Sendungen moderieren. Die Frauen gehen meistens vorher von selbst, weil sie selber finden, dass sie zu alt aussehen, oder weil sie als ältere Frauen abgesetzt werden. Beide Mechanismen sind zu überdenken!

Wären Sie als Mann auf die Welt gekommen, wie würde Ihr Leben heute verlaufen?

Ich habe keine Ahnung, wie ich als Mann leben würde. Was ich aber bei den Männern ist, dass sie suchend sind und sich neu positionieren wollen, als Ehemänner, als Väter, sowie als Mitglieder der Gesellschaft. Dass sie sich überdenken und dass sie in eine neue Rolle schlüpfen wollen, reflektierter. 

Müssten Sie drei Fragen aus Ihrer Quizsendung «1 gegen 100» beantworten, würden Sie sich für das Thema «Pilates» oder für «Yoga» entscheiden?

Natürlich für Pilates, da ich eine Ausbildung zur Pilateslehrerin gemacht habe und heute auch als solche arbeite. Noch lieber wäre mir das Thema Faszien, denn damit arbeiten wir in unserem Pilatesstudio. Das Bindegewebe verbindet nicht nur unsere Muskeln und Sehnen, sondern verbindet sich auch noch mit unserem Nervensystem, sprich mit unseren Emotionen. Ein sehr spannendes Gebiet!

Für «Arnikakügelchen» oder «Baguette»?

Beides gut. Aber lieber mag ich Baguette mit leckeren Weichkäse und einer Flasche Rotwein.

Für «Kochen» oder für «Philosophie»?

Für das Kochen, weil man beim Kochen und dann vor allem beim Essen sehr oft in sehr schöne, philosophische Gespräche kommen kann.

Foto: Amanda Nikolic

www.susannekunz.ch

Beatrice Bölsterli-Ambühl

(1917 – 1992) präsidierte von 1962-72 die Aargauer Frauenzentrale. Bölsterli-Ambühl setzte sich für das Frauenstimmrecht und für neue Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für weibliche Berufe ein. Sie animierte Frauen zum politischen Engagement und kandidierte selber, wenn auch erfolglos, 1971 bei der ersten Nationalratswahl nach Einführung des Frauenstimmrechts.

Historisches Lexikon der Schweiz

Ida Sträuli-Knüsli

(1847 – 1918) war eine Schweizer Frauenrechtlerin und Gründerin und Präsidentin des Frauenbunds Winterthur.

Als Schreiberin in der Notariatskanzlei ihres Vaters lernte Ida Sträuli-Knüsli die rechtliche Diskriminierung der Frauen kennen und setzte sich daraufhin für die Anliegen der Frauen ein. 1888 gründete sie den Frauenbund Winterthur zur “Beförderung und Unterstützung humanitärer Zwecke für soziale und ökonomische Hebung der Frauenwelt” (heute familiaris Winterthur) mit einem Stellenvermittlungsbüro sowie einem Mädchenheim für stellensuchende Töchter und stand ihm ab 1890 vor.

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Emilie Lieberherr

(1924 – 2011) war Mitbegründerin des Konsumentinnenforums Schweiz. Gegen Ende der 1960er Jahre fiel Lieberherr erstmals politisch auf, als sie zu einer der führenden Persönlichkeiten im Kampf um das Frauenstimmrecht in der Schweiz wurde. 1969 war sie Präsidentin des Aktionskomitees für den Marsch nach Bern. Sie trat der SP bei und war von 1970 bis zu ihrem Rücktritt 1994 als erste Frau Stadträtin der Stadt Zürich und Vorsteherin des Zürcher Sozialamts. 

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Kunst von Frauen*

Ursina Gabriela Roesch (*1959), Multimedia-Konzept-Künstlerin, Kuratorin, Initiatorin von FAT Zürich (Femme Artist Table) und FATart Schaffhausen 

Frau Roesch, was denken Sie, haben Künstlerinnen heutzutage die gleichen Chancen wie ihre männlichen Kollegen?

Nein, niemals, denn das Geld ist noch nicht auf unserer Seite – und der Mangel an Geld beeinflusst die Existenz jeder einzelnen Künstlerin dramatisch. Gelebte Gleichstellung ist, wenn 50 % der gesprochenen Kulturförderung an Frauen, respektive Künstlerinnen gehen. In diesem Punkt wird der Gleichstellungsartikel weder auf städtischer, kantonalen noch Bundesebene realisiert. 
Heutzutage ist Kunst von Frauen zwar sichtbarer als früher, doch Sichtbarkeit alleine reicht nicht. Das Geld geht nach wie vor an männliche Künstler. Auch stellt sich die Frage, zu welchen Preisen welche Kunst angekauft wird von der öffentlichen Hand. 
Wir vom Netzwerk FAT, FATBoard, FATteam fordern diesbezügliche Transparenz und Korrektur zugunsten der Frauen. Auch rückwirkend. Denn erst mit genügend finanziellen Mitteln kann weibliche Kunst gebührend sichtbar gemacht werden.

Setzt weibliche Kunst andere Schwerpunkte als männliche Kunst?

Weibliche oder männliche Kunst gibt es nicht. Es gibt Kunst von Menschen. Meine Kunst zum Beispiel wird auch als männlich wahrgenommen. Der Blick, die Wahrnehmung ist von unserer Gesellschaft geprägt. 

Früher stiessen Künstlerinnen auf Widerstand: Ihre familiären Pflichten hielten sie auf Trab, ihre Kunst wurde nicht ausgestellt. Wie schafften es Künstlerinnen, wie zum Beispiel Helen Dahm (1878 – 1968) trotzdem, wahrgenommen zu werden?

Helen Dahm ist das Beispiel einer Frau, die keine Familie/Kinder hatte. Sie war eine entschiedene Frau, die ich sehr gerne kennengelernt hätte. Gesellschaftlich hatte sie es wohl nicht ganz einfach, doch sie war eigensinnig genug, ihren Weg trotzdem zu gehen. 

Welche weiteren Künstlerinnen hätten mehr Beachtung verdient?

Alle Frauen*! Damit meine ich mehr Präsenz in Kunstmuseen, Kunsthäuser, Kunsthallen. Mehr Stipendien, Werkbeiträge, Ankäufe zu einem angemessenen Preis, etc.

www.urgart.com
FATart.ch
femmeartisttable.blogspot.ch

Foto/Porträt: Evelyn Kutschera
Titelbild: FATart 2019, vorne Skulpturen von Liz Karvaly, hinten Fotografie von Ursina Gabriela Roesch

Elise Ruepp

(1790 – 1873) war eine Schweizer Pionierin der Frauen- und Lehrerinnenbildung und Schülerin von Johann Heinrich Pestalozzi.E

Früh verwitwet, eröffnete Elise Ruepp 1835 eine private Töchtererziehungsanstalt in Sarmenstorf, die sie 1838 zum Lehrerinnenseminar erweiterte. Bis 1853 leitete sie das Institut gemeinsam mit ihren Töchtern und unterrichtete nach pädagogischen Prinzipien Pestalozzis.

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