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Stadtgeiss-Hirtin

Julia Hofstetter (*1971 ) ist unter anderem als Hirtin von sieben Stadtziegen in Zürich Nord tätig.

Frau Hofstetter, Sie haben den Verein Stadtgeiss gegründet. Wie kam es dazu und was genau tut der Verein?

Julia Hofstetter: Es fing damit an, dass ich in Zürich Nord eine Hektare Land pachtete. – Ich war übrigens verblüfft, dass es überhaupt möglich ist, mitten in Zürich eine Wiese zu pachten. Zu jenem Zeitpunkt wurde ich von einer Sinnkrise durchgeschüttelt. Ich war sehr müde, hatte zuvor in einer Klimaschutzorganisation die Abteilung Umweltbildung aufgebaut und war voller Zweifel, wusste nicht, ob Klimaschutz in dieser Form Sinn macht und, ob die Projekte, die ich erfunden hatte, etwas taugten. Nach vielen Jahren Engagement kam plötzlich alles ins Wanken. Ich schmiss diesen Job hin und wusste nicht weiter.

Deshalb war die Wiese für mich ein Geschenk. Ein Ort, wo ich mich in die Arbeit stürzen und mir meine Verzweiflung aus dem Leib hämmern konnte. Ich habe viel gehämmert. Und gesägt. Und gemalt. Brennnesseln und Disteln ausgerissen. Und dann habe ich Stiefelgeissen gekauft. Ganz ohne Plan. Erst als der Stall fertig und die Ziegen da waren wuchs die Idee vom Verein Stadtgeiss. Die Idee, dass ich die Wiese aufmachen und die Quartierbevölkerung einladen könnte, den Ort mitzugestalten.

Was der Verein tut?

Ich habe zum Beispiel mit den Ziegen Schulklassen auf dem Pausenplatz abgeholt. Dann sind wir zusammen durch die Stadt gezogen. Kinder brauchen Mut, Kraft und Zuversicht, wenn sie die starken Ziegen führen. Stiefelgeissen sind grosse Tiere. Mir ist es wichtig, dass Kinder in unserem sehr geregelten Alltag auch diese Momente leben können, in denen es etwas gefährlich wird. Momente, in denen sie sich selber spüren – und auch die Ziegen. Da können sie über sich hinauswachsen.
Heute, fünf Jahre später ist der Verein Stadtgeiss im Quartier angekommen. Von der grossen Eiche hängt eine Schaukel. Im Zirkuswagen spielen wir Puppentheater. Es ist ein schöner Ort geworden. Wir haben gemeinsam einen Park gestaltet und uns so ein Stück Stadt angeeignet. Hier gehört die Natur zur Stadt. Menschen begegnen sich, Tiere springen herum und alle dürfen stürmisch, frech und fröhlich sein.
Manchmal inszenieren wir einen wilden Alpaufzug in ein anderes Stadtquartier. Jetzt gerade weiden die sieben Stiefelgeissen in Zürich Affoltern, wo sie einen steilen Hang von Brombeeren befreien.

Zeichnung und Fotos: Julia Hofstetter

www.stadtgeiss.ch

Politjournalismus und Strategie

Susanne Wille (*1974) kennt fast jede_r in der Schweiz. Die Politjournalistin arbeitet für das Nachrichtenmagazin 10vor10, moderiert diverse Sendungen und realisiert Reportage-Serien aus der ganzen Welt.

Frau Wille, Sie sind schon lange im Journalismus tätig. Wie hat sich die Nachrichtenwelt in den letzten Jahren verändert?

Sie hat sich stark verändert. Wenn ich meine erste Nachrichtensendung vor 18 Jahren mit einer Sendung von heute vergleiche, wird das deutlich. Ich fasse den Wandel mit drei Schlagwörtern zusammen: Tempo, Transparenz, Treffpunkt.

Stichwort Tempo: Das Nachrichtengeschäft ist viel schneller geworden. News, Videos, Schlagzeilen werden rund um die Uhr um den Globus gejagt, sind für alle jederzeit zugänglich. Wer heute eine Nachrichtensendung um 10vor10 schaut, hat meist das Wichtigste schon mitbekommen, via Internet oder Smartphone. Darum ordnen wir das Geschehene noch stärker ein als früher und setzen auf einen Schwerpunkt pro Sendung, um die News zu vertiefen. Wir dürfen dabei aber nicht nur an die eigene Sendung denken. Unsere zentralen Geschichten müssen schon vorher auf unserem Webangebot zu finden sein. Denn immer mehr Menschen informieren sich online.

Der zweite grosse Begriff ist Transparenz. Heute müssen wir stärker erklären, warum wir auf ein bestimmtes Thema setzten, wie wir bei einer Recherche vorgehen, warum wir diesen Gast eingeladen haben und nicht jenen. Denn unser Publikum schaut kritisch hin und gibt Rückmeldungen. Früher gefielen wir Journalisten uns in der Rolle jener, die quasi die alleinige Deutungshoheit über ein Ereignis hatten, und es war nicht Standard, dass wir dem Publikum das journalistische Handwerk und die publizistischen Mechanismen aufzeigten. Doch genau das ist heute entscheidend, besonders in Zeiten von Fake News. (Ein Wort, das ich übrigens höchst ungern benutze, da falsche News keine News sind. Ich wähle es hier, um die Problematik des Vertrauensverlustes zu skizzieren.) Wollen wir aufzeigen, wie sehr wir uns bemühen, stets auf akkurate, verifizierbare Nachrichten zu setzen, müssen wir uns erklären und transparent sein. So zeige ich zum Beispiel auf den sozialen Medien Videos, die einen Blick hinter die Kulissen des Nachrichtengeschäfts liefern. Ein kleiner Beitrag, hier können wir noch ausbauen. Das hat auch mit dem dritten Begriff zu tun.

Der Treffpunkt. Eine Nachrichtensendung ist heute keine Einbahnstrasse mehr. Social Media hat die Spielregeln komplett verändert. Das Publikum diskutiert, stellt Fragen, kritisiert. Und erwartet Antworten. Ich bin als Journalistin also näher am Publikum als früher. Das heisst auch, meine Arbeit geht nach dem Lichterlöschen im Studio noch weiter. Aber das ist es mir wert.

Ein grosses Engagement! – Was genau macht die Faszination Ihrer Arbeit aus?

So viel sich verändert hat, wie ich es grad geschildert habe, so viel ist zum Glück auch gleich geblieben. Journalismus ist immer noch ein entscheidender Grundpfeiler einer funktionierenden Demokratie. Journalismus erzählt packende Geschichten, deckt Missstände auf, hinterfragt die Macht und trägt zur Meinungsbildung bei. Journalismus ist nie still, sagte mal jemand. Dieses stete Hinschauen und Weitedenken fasziniert mich noch immer. Und keiner meiner Tage verläuft gleich.

Sind Sie lieber im Studio tätig oder unterwegs?

Das Studio ist wie ein Fixpunkt. Eine Verankerung für das, was die Newswelt den Tag über beschäftigt hat. Hier fliessen die Geschichten und Interviews zusammen. Hier ordne ich das Geschehene ein: den Irandeal, die Steuervorlage, die Wahlen in Schweden. Hier führe ich Live-Gespräche mit Gästen – was ich übrigens am liebsten mache.
Als Journalistin oder Politmoderatorin unterwegs zu sein, bedeutet, den Puls zu spüren, bedeutet, mit den Menschen zu reden. Die Kombination von beiden Welten: Studio und on the road zu sein, ist sicher ideal.

Weiterentwicklung und strategische Neuausrichtung

Aber für mich ist derzeit eine andere Frage zentral: Die Medienwelt ist in einem grossen Umbruch, SRF muss sich für die Zukunft rüsten. Hier bin ich im Projektteam, das sich mit der Weiterentwicklung und der strategischen Neuausrichtung des Nachrichtenangebots befasst. Diese Verantwortung hat Priorität. Also statt den Rucksack zu schultern, um auf Reportage zu gehen, setz ich mich lieber mit unserem journalistischen Angebot und den grossen Fragen auseinander. Wie erreichen wir die jungen Menschen? Wie gelangen unsere Newsangebote zu den Bürgerinnen und Bürgern, wenn sie weniger zu fixen Zeiten vor dem TV-Gerät sitzen? Wie halten wir die Qualität, wenn Tempo und Druck steigen? Dass wir künftig noch guten Journalismus machen können, darauf kommt es an. Und dafür will ich mich einsetzen.

Ihr Job ist intensiv und doch wirken Sie immer entspannt. Gibt es dafür ein Geheimrezept?

In einem meiner Führungskurse sagte ein Dozent: «Hektik macht dumm.» Das unterstreiche ich voll und ganz. In der Hektik wird man ungenau, verliert das Einfühlungsvermögen und übersieht Wichtiges. Also versuche ich, so gut es geht, Hektik zu vermeiden, auch wenn es bei uns oft um Sekunden geht und der Druck hoch ist. Aber: Ich machte im arabischen Frühling Sondersendungen ohne einen einzigen Satz notiert zu haben, ich erlebte, wie ein zugeschalteter Gast aus Brüssel mitten in einer Live-Schaltung zum Thema Steuerflucht in unserem Gespräch einen Anruf auf seinem Mobiltelefon entgegennahm, ich musste am WEF in Davos eine Live-Debatte abbrechen, weil ein ranghoher ausländischer Politiker in der ersten Reihe ohnmächtig wurde. Ich hätte noch viele andere Beispiele. Solche Erlebnisse stärken automatisch die Nerven. Aber das heisst nicht, dass ich immer tiefenentspannt bin. Nein, das ist unmöglich. Aber ich wende tatsächlich immer den gleichen Trick an. Wenn es hektisch zu- und hergeht und alles um mich herum wuselt, dann schaue ich immer, dass die (Vor-)Freude grösser wird als die Nervosität. Wenn ich auf dem Balkon beim Brandenburger Tor wenige Minuten vor dem Start einer Wahlsendung stehe, bei der alles passieren kann, denke ich nicht an Leitungen, die noch nicht stehen, ans Ungewisse: Ich freue mich auf die Sendung. Das ist Rock ‘n’ Roll und Politgeschichte live und wir sind mittendrin.

Wie sehen Sie die Zukunft des Journalismus?

Die Zeiten des Umbruchs sind noch lange nicht vorbei. Der ökonomische Druck hält an, Werbeeinnahmen brechen weg. Aber auch unser öffentliches Medienhaus, das Gebühren bekommt, bewegt sich und muss sich weiterbewegen, damit wir auch fortan guten Journalismus machen, die Menschen erreichen können. SRF hat den Auftrag, zur Meinungsbildung beizutragen. Also müssen wir auch dort präsent sein, wo die Meinungen gebildet werden. Und das ist zunehmend im mobilen, digitalen Bereich. Wir setzen also noch stärker auf Videoformate für alle digitalen Kanäle. Die Welt dreht schneller, also muss auch SRF noch schneller reagieren können. Darum bauen wir zudem die Redaktionen um. Bis jetzt arbeiten Reporterinnen und Reporter entweder für die Tagesschau, Schweiz Aktuell oder 10vor10. Neu sind wir ab November in Fachredaktionen organisiert. Die Journalistinnen und Journalisten haben eine Dossierverantwortung in den Bereichen Wirtschaft, Inland, Ausland. Mehr Fachkompetenz also für noch mehr Einordnung.

Aber bei allen Veränderungen in der Branche: Etwas wird es meiner Meinung nach immer geben: den Wunsch nach gut recherchierten Geschichten.

Einer der Sprüche, die meine Bürowand schmücken, ist von Rainer Malkowski. Er sagte einmal «Als genug Verzweiflung vorhanden war, ist das Achselzucken in die Welt gekommen.» Genau dagegen muss der Journalismus ankämpfen. Denn das Achselzucken würde bedeuten, dass die Gesellschaft gleichgültig und somit am Ende wäre. Wir Medienschaffenden müssen uns dafür einsetzen, dass sich alle mit unserer Welt auseinandersetzen, an ihr arbeiten, so kompliziert und unübersichtlich diese Welt uns bisweilen auch vorkommt

Und noch eine Frage zum Schluss: Gibt es Frauen, die man unbedingt kennen muss?

Eigentlich meine langjährigen Freundinnen. Sie sind klug, abenteuerlustig, stark und loyal. Wir haben zusammen so viel erlebt, dass es für mehrere Leben reicht. Aber da ich Berufliches und Privates so gut es geht trenne, bin ich nicht unglücklich, wenn ich meine grossartige Frauenbande nicht mit der Öffentlichkeit teilen muss.

Foto: © SRF/Miriam Künzli

> SRF
> 10vor10

 

VR-Präsidentin eines Spitals

Beatrix Frey-Eigenmann (*1966), Kantonsrätin, engagiert sich für diverse Institutionen. Unter anderem als Verwaltungsratspräsidentin des Spitals Männedorf. Die Politikerin war bis Sommer 2018 Gemeinderätin in Meilen am Zürichsee.

Frau Frey-Eigenmann, was sind Ihrer Meinung nach die heutigen gesundheitspolitischen Herausforderungen?

Beatrix Frey-Eigenmann:Eine gute Gesundheitsversorgung hat einen hohen Stellenwert. Die hohe Lebenserwartung, der technische Fortschritt, die steigenden Ansprüche an die Verfügbarkeit medizinischer Leistungen, sowie diverse Fehlanreize haben in den letzten Jahren aber zu einer massiven Kostensteigerung im Gesundheitswesen geführt mit einem entsprechenden Anstieg der Krankenkassenprämien. Damit wir auch künftig für die ganze Bevölkerung eine qualitativ gute und bezahlbare Gesundheitsversorgung sicherstellen können, bräuchte es griffige Massnahmen auf allen Ebenen. Statt zu handeln, verliert sich die Politik jedoch in einem endlosen Hin- und Herschieben der Verantwortung und jeder hat seinen «Lieblingsschuldigen»: die Spitäler, die masslos investieren und nur auf Umsatzsteigerung aus sind, die Ärzte, die mit unnötigen Operationen ihre hohen Saläre aufbessern, die Krankenversicherer, die sich zu wenig für kostengünstige ambulante Behandlungen einsetzen, weil dies die Prämien- statt die Steuerzahler belastet, die Kantone, die mit Investitions- und Defizitbeiträgen Heimatschutz für ihre strukturschwachen Spitäler bieten und damit den Wettbewerb verzerren, die Patientinnen und Patienten, die im Krankheitsfall sofort das umfassende Leistungspaket vom Spezialisten wollen. Die Liste ist nicht abschliessend und zeigt vor allem eines: Es gibt keine einfachen Rezepte. Wir haben in der Schweiz eine ausgezeichnete Gesundheitsversorgung und bereits der Allgemeinversicherte hat sozusagen ein GA 1. Klasse. Das hat natürlich seinen Preis. Wenn wir uns diese Versorgungssicherheit und -qualität weiterhin leisten wollen, dann sollten wir die richtigen Anreize für eine Kostendämpfung setzen, statt die Verantwortung für die Finanzierung zwischen Prämien- und Steuerzahlenden hin- und herzuschieben.

Wichtig wäre eine einheitliche Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen. Zudem sollten die Leistungserbringer Rahmenbedingungen erhalten und so abgegolten werden, dass ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis gefördert und eine Überversorgung sanktioniert wird. Ausserdem sollte die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung gestärkt werden. Für Menschen, die ihrer Gesundheit Sorge tragen und sich um eine günstige Behandlung bemühen, sollte sich das bei ihrer Krankenkassenprämie und ihren Gesundheitskosten auszahlen.

Ärztinnen in Führungspositionen sind nach wie vor eine Seltenheit. Wie lässt sich dem Fortbestehende struktureller Ungleichheit von Männern und Frauen in der Branche, entgegenwirken?

Eine medizinische Karriere erfordert eine ausserordentlich lange Ausbildung mit sehr hohen Präsenzzeiten im klinischen Alltag. Das macht es für Ärztinnen noch herausfordernder, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen als in anderen Branchen. Anders als ihre männlichen Mitbewerber haben Ärztinnen aus biologischen Gründen zudem weniger Möglichkeiten, ihre Familienplanung zeitlich nach hinten zu schieben. Trotzdem bin ich optimistisch, dass wir künftig mehr Ärztinnen in Führungspositionen haben werden. Denn erstens ist der Frauenanteil in der Medizin in den letzten Jahren deutlich gestiegen – man spricht von einer eigentlichen Feminisierung der Medizin. Zudem ist man heute in den Spitälern offener, was neue Beschäftigungs- und Führungsmodelle betrifft. Und auch der Regulator wird seine Anforderungen überprüfen müssen; es wäre ein Eigentor, wenn das grosse Potenzial der gut ausgebildeten Ärztinnen durch allzu starre Rahmenbedingungen (wie zum Beispiel jährlich zu erreichende Fallzahlen) nicht genutzt werden könnte.

Welche Frauen sollten unsere Leserinnen und Leser kennen?

Unsere vier Frauen in der Spitalleitung des Spital Männedorf. Sie machen nicht nur einen tollen Job, sondern sind der Beweis, dass es engagierte und qualifizierte Frauen an die Spitze schaffen:

Dr. med. Margaret Hüsler, Chefärztin Gynäkologie und Geburtshilfe. Sie führt ihre Klinik mit Kompetenz und Leidenschaft und ermöglicht den Frauen eine natürliche Geburt im sicheren Spitalumfeld. Sie hat eine der tiefsten Kaiserschnittraten.

Susanne Stierli, Leiterin Pflegedienst. Unter ihrer professionellen und umsichtigen Führung tragen fast 400 Pflegekräfte tagtäglich dazu bei, dass sich die Patientinnen und Patienten im Spital kompetent umsorgt fühlen.

Denise Haller, Leitung OP-Management und Spezialstationen. Dreh- und Angelpunkt im Spital ist ein gut funktionierendes OP-Management. Denise Haller sorgt dafür, dass die komplexen Ausrüstungen und Abläufe aufeinander abgestimmt sind, die Teams rechtzeitig einsatzbereit und alles zusammen möglichst reibungslos funktioniert.

Dr. Nicola Fielder, Leiterin Human Resource Management. Als Personalchefin setzt sich Nicola Fielder für zeitgemässe Arbeitsbedingungen ein, die es unseren Angestellten ermöglicht, Beruf und Familie in Einklang zu halten. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag, dass gerade das weibliche Fachkräftepotenzial ausgeschöpft werden kann.

> www.frey-eigenmann.ch

> www.spitalmaennedorf.ch

Die Weltraumforscherin

Die Professorin und Astrophysikerin Dr. Kathrin Altwegg (*1951) von der Uni Bern war Leiterin des Teams, welches das Rosina-Massenspektrometer der Kometensonde Rosetta konstruierte.

Frau Dr. Altwegg, Sie haben 20 Jahre lang an der Rosetta-Mission der ESA gearbeitet. Wie kommt man zu so einem Projekt?

Kathrin Altwegg: Durch Zufall. Nach meinem Studium und einem Auslandaufenthalt suchte ich in der Schweiz eine Stelle als Physikerin. Zufällig bin ich so in der Weltraumforschung in Bern gelandet. Mein erstes Projekt war die Giotto-Mission zum Kometen Halley, wo ich vor allem für Software zuständig war. Als dann mein damaliger Chef, Prof. Hans Balsiger das ROSINA-Projekt von ESA zugesprochen erhielt, ernannte er mich zur Projektmanagerin. 2003 wurde er pensioniert und ich übernahm neben der technischen auch die wissenschaftliche Leitung.

Und danach?

Rosetta ist Ende September 2016 auf den Kometen sanft «gecrasht» und ich drei Monate später ebenfalls. Das heisst: Ich wurde pensioniert. Seither habe ich Zeit, mich wissenschaftlich zu betätigen, da die ganze Administration und die Lehre weggefallen sind. Das ROSINA-Experiment hat uns mit einer Fülle von Daten beschenkt, an denen ich mir noch lange die Zähne ausbeissen kann.

Haben Sie schon als Kind davon geträumt, den Weltraum erforschen?

Nein, ich wollte vieles werden als Kind: Tierärztin, Kapitänin, Archäologin …, nicht aber Weltraumforscherin.

Sie waren anno dazumal die einzige Frau an der Uni Basel, die Physik studierte. Wie war das für Sie?

Manchmal etwas einsam. Die «beste Freundin» fehlte. Die Kollegen waren insgesamt durchaus nett, aber die Beziehung ist dann doch eine andere. Es gab noch ein paar ältere Professoren, die etwas Mühe hatten mit Frauen in Physik. Der Ratschlag, man solle doch besser in der EPA Strümpfe verkaufen, haben auch Mathematikerinnen und Chemikerinnen zu hören bekommen. Das war dann komplett anders während der Doktorarbeit, die ich bei einer Frau – Professorin Iris Zschokke-Gränacher – machen konnte. Da spielte das Geschlecht keine Rolle mehr. Diese Frau wurde von ihren männlichen Doktoranden wie auch von mir vollständig respektiert.

Heute  sind Frauen nach wie vor untervertreten in naturwissenschaftlichen Berufen. Was meinen Sie, ist der Grund dafür? Und was könnte dagegen unternommen werden?

Das hat vor allem gesellschaftliche Gründe. Noch immer werden vor allem Physik, Ingenieurwissenschaften und Informatik mit dem Adjektiv «männlich» verknüpft. Es sei nicht weiblich, sich mit Maschinen und Computern zu beschäftigen. Noch immer erhalten Mädchen viel eher Puppen als Lego. Während Mädchen bis zur Pubertät offen gegenüber Naturwissenschaften und Technik sind, ändert sich das später radikal. In der Pubertät wirkt der Gruppendruck: Mädchen, die sich für Physik interessieren, sind in den Augen der Knaben nicht weiblich. Die beste Freundin nimmt als Schwerpunktfach «Philosophie / Pädagogik / Psychologie», etc. Und genau zu dieser Zeit muss man sich für das Schwerpunktfach entscheiden. Auch wenn es theoretisch möglich ist, das Studienfach an der Uni unabhängig vom Schwerpunktfach im Gymnasium zu wählen, sind die Kenntnisse in Mathematik und Physik bei Maturand_innen aus sogenannt «weichen» Fächern im Allgemeinen deutlich schlechter und daher die Erfolgschancen im einem naturwissenschaftlichen oder Ingenieur- Studium kleiner. Zudem fehlen noch häufig Vorbilder. Mädchen eifern ihren Müttern nach und die sind halt nicht Naturwissenschaftlerinnen oder Ingenieurinnen. Dies wird sich sicher langsam ändern, aber eben langsam.

Was sich auch noch zu wenig geändert hat, ist die Zuständigkeit bei der Betreuung der Kinder. Was raten Sie jungen Frauen, die Familie und Beruf unter einen Hut bringen wollen?

Werden Sie ein Organisationstalent! Das ist das A und O für Frauen mit Kindern in der Berufswelt. Binden Sie den Partner in der Betreuung der Jungmannschaft ein, auch Männer können Kinder betreuen. Wir Frauen müssen das aber entsprechend anerkennen. Nehmen Sie Hilfe in Anspruch (Grossmütter, Nachbarn, etc.). Versuchen Sie nicht, perfekt zu sein und lassen Sie den Fünfer auch mal gerade sein. Der Haushalt muss nicht perfekt sein. Ob Sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen können, hängt nicht in erster Linie vom Beruf ab, sondern vom Chef oder der Chefin!

> Centre for Space and Habitability (Uni Bern)

Dirigentin

Lena-Lisa Wüstendörfer (*1983), Dirigentin und Musikwissenschaftlerin, wusste schon als Kind, dass sich ihr Leben um Musik drehen sollte. Heute ist sie international als Dirigentin gefragt.

Frau Wüstendörfer, Dirigent_innen geben an einem Konzert den Takt an, was gehört ausserdem zu Ihren Aufgaben?

Lena-Lisa Wüstendörfer: Als Dirigentin drücke ich mich mit Gesten aus, die von Orchester, Chor und Solisten ohne Worte verstanden werden. Durch meine Gestik lenke ich das Tempo, die Dynamik oder den Klang. Neben der Koordination des Orchesters bin ich als Dirigentin vor allem für die Interpretation der Musik zuständig: Ich erwecke gemeinsam mit dem Orchester das Stück zum Leben, das der Komponist in seiner Partitur festgeschrieben hat. In einer Partitur sind aber nie alle Parameter absolut definiert. Diesen Spielraum gestalte ich aus – etwa so, wie die Regisseurin in einem Theaterstück diejenigen Aspekte definiert, die der Autor nicht eindeutig vorgegeben hat. Ich habe aber auch noch Aufgaben ausserhalb der Proben und Konzerte. Diese sind je nach Projektphase verschieden: Neben der eigenen Vorbereitung auf ein Stück, die in der Analyse und Verinnerlichung der Partitur besteht, gehört etwa auch das Erstellen von Probenplänen zu meinen Aufgaben. Ich plane was wann genau geprobt wird, um so den Probenprozess möglichst effizient zu gestalten. Hinzu kommen Reisen zu verschiedenen Gastauftritten oder Gespräche mit Solistinnen und Konzertveranstaltern.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Musik ist meine Leidenschaft und ich liebe das gemeinsame Musizieren mit einem Orchester. Wenn es einem gelingt, die volle Konzentration des Orchesters in einem musikalischen Gedanken zu vereinen, so dass alle dieses Stück gemeinsam erleben, dann können im Konzert sehr berührende Momente entstehen. Am eindrücklichsten ist es, wenn das Publikum ebenso voll in die Emotion des Stücks eintaucht und alle im Konzertsaal in die Musik vertieft sind.

Was war bisher Ihr berufliches Highlight? Und was möchten Sie noch erreichen?

Highlights sind für mich Momente im Konzert, in denen alle Zahnräder im Orchester ganz natürlich ineinandergreifen und ich merke, dass der Funke zum Publikum springt. Das sind dann so Sternstunden: Man kann sie nicht forcieren, aber wenn sie da sind, verbindet die Musik alle im Saal. Ein gemeinsames Gefühl entsteht.
Auf meiner Bucket List stehen noch einige Werke, die ich unbedingt einmal aufführen möchte. Dazu gehört zum Beispiel Beethovens «Fidelio» – eine meiner Lieblingsopern. Und ich möchte Mahlers 8. Sinfonie dirigieren: Ein verrücktes Werk. Es braucht dazu Unmengen von Menschen. Die Sinfonie trägt darum auch den Übertitel: die Sinfonie der Tausend. Neben einem grossbesetzten Orchester singen ein riesiger Chor, ein Kinderchor und mehrere Solisten. Gustav Mahler hat die sinfonische Form damit wirklich an ihre Grenzen getrieben.

Fotos:  Yves Bachmann

> www.wuestendoerfer.com

Blind am Berg

Dr. Barbara Müller (*1963), Kantonsrätin und Geologin, ist stark sehbehindert. Die Wissenschaftlerin ist oft im Himalaya und in Nepal unterwegs – inklusive Expeditionen und Klettertouren.


Barbara Müller arbeitet mit einer Sprachausgabe des Notebooks.
Sehen kann sie den Bildschirminhalt kaum mehr.

Frau Müller, Sie reisen regelmässig in den Himalaya, was machen Sie dort?

Ich bin beruflich oft im Himalaya in Nepal unterwegs. Im Flachland von Nepal (gegen die indische Grenze hin) wird leider Arsen, ein bekanntlich hochgiftiges chemisches Element, im Grundwasser aufgefunden. Dieses Grundwasser wird hochgepumpt und als Trinkwasser verwendet. Nach jahrelanger Exposition erkranken Menschen daran, bis sie an Krebs sterben. Meine Aufgabe ist es einerseits, die bestehenden Filter zu verbessern und andererseits, herauszufinden, woher das Arsen stammt.
Die Effizienz der heutigen Filter ist inakzeptabel. In diesen Filtern wird das Arsen auf der Oberfläche von rostigen Nägeln gebunden – bis dato nur in ungenügender Weise.
Das Arsen ist geologischen Ursprung und deshalb ist es unerlässlich herauszufinden, woher es originalerweise stammt und wie es aus den Sedimenten (dem Boden) herausgelöst wird. Dies ist eine typische Aufgabe für mich als Geologin. Nämlich, das System als Gesamtes zu verstehen.
Sind wir dann soweit, können wir die Filter aufgrund der neuen Erkenntnisse anpassen.

Sprechen Sie Nepali?

Ja, ich spreche die Amtssprache Nepals, sonst wäre meine Arbeit kaum möglich. Meine Nepali Assistenten sprechen zwar in der Regel Englisch, die Vertreter der betroffenen Bevölkerung jedoch kaum. Die Kenntnisse der Sprache erleichtert mir die Arbeit ungemein.

Wie ist der Umgang der dortigen Menschen mit Ihrer Sehbehinderung?

Meine Nepali Freunde und Assistenten kennen mich nicht anders, sie haben mich nicht erlebt, als ich noch ein besseres Sehvermögen hatte. Die Menschen in Nepal sind materiell nicht dermassen üppig bedacht, wie wir es in der Schweiz kennen. Auch infrastrukturmässig – zum Beispiel bei den Verkehrswegen oder im Gesundheitswesen – ist kein westlicher Standard vorhanden. Nepali sind daher ausserordentlich befliessen darin, im Hier und Jetzt zu leben, sich mit Situationen zu arrangieren, wie sie sich eben präsentieren. Darüberhinaus wissen sie sich improvisationsmässig stets zu helfen. Meine Sehbehinderung ist für sie Alltag, gehört zu mir, ist nicht zu ändern und man kann sich damit arrangieren und sich überlegen, wie die Arbeit trotzdem ausgeführt werden kann oder wie man mich im Hochgebirge auf Expeditionen unterstützen soll. In Nepal akzeptiert man Menschen grundsätzlich, wie sie eben sind und wertet nicht. Man darf in diesem Zusammenhang jedoch nicht vergessen, dass ich Gast bin im Lande und ich deshalb unter Umständen von gewissen Privilegien profitieren kann.

Und in der Schweiz?

Da ist es leider anders – nur schon wegen der «Scheininvaliden»-Debatte, die vor über einem Jahrzehnt losgetreten wurde. Hier konzentriert man sich generell auf Defizite. Das heisst: Man ist defizit- und nicht ressourcenorientiert. Daher existierten beispielsweise angeblich typische Blindenberufe. Ob sie für Betroffene persönlich geeignet wären, ist Nebensache. Vorurteile sind leider weit verbreitet; Konflikte, die sich aus dieser Haltung ergeben, sind vorprogrammiert. So wird mir und anderen oft unterstellt, dass eine körperliche oder sinnesorganmässige Einschränkung quasi automatisch eine kognitive Beeinträchtigung nach sich ziehe. Zu solchem Unsinn werde ich mich nicht weiter äussern. Sehr schnell werden in der Schweiz auch Wertungen ausgesprochen, beziehungsweise Menschen aufgrund von auffälligen Eigenschaften stigmatisiert. Der Mensch als Ganzes wird kaum wahrgenommen. Wohl fehlt es den Menschen in der Schweiz im generellen (materiell) an nichts, trotzdem wälzt man Probleme, wie es denn in der Zukunft bestellt sein könnte.
Grundsätzlich ist es in der Schweiz einfacher als in Nepal, technische Hilfsmittel zu organisieren. Assistenten werden von der Sozialversicherung bezahlt, aber in der Regel nur nach einem riesigen Aufwand und oft nur nach Gerichtsgängen.

> Mehr Infos: www.barbara-himalaya.ch

Die Gärtnerin

Hélène Lindgens, früher Headhunterin, lebt nun vorwiegend auf Mallorca, wo sie Gärten gestaltet.

Frau Lindgens, Sie liebten Ihren Job als Stellenvermittlerin, wie kam es, dass Sie trotzdem auswanderten und den Beruf wechselten?

Hélène Lindgens: Es war reiner Zufall. Mein Mann kaufte eine Ruine auf Mallorca, die er wieder aufbauen wollte – geplant war ein übersichtliches Ferienhaus. Zur Ruine gehörte ein Garten oder besser gesagt, es waren 15’000 Quadratmeter verwildertes Land, die in einen Garten umgewandelt werden mussten. Ich hatte damals keine Ahnung von Gärten und noch weniger von Pflanzen, die im Mittelmeerraum wuchsen. Doch ich bildete mich weiter, freundete mich mit dem harten, trockenen Boden an und schlussendlich wuchs dann doch noch etwas.

Ihr wunderschöner Garten machte Furore. Doch wie fanden Sie als – damals noch – unerfahrene Gärtnerin Ihre Aufträge?

Zuerst kamen Anfragen von Freunden und Bekannten. Dann wurden es immer mehr. – Und es ist kein Ende in Sicht.

Ihr eigener Garten ist inzwischen so etwas wie ein Skulpturen-Park, in dem jedes Jahr Künstler_innen ihre Werke ausstellen. Wie lange dauert die Ausstellung jeweils?

Die Ausstellung ist nur für einen einzigen Tag öffentlich: Am zweiten Samstag im Mai. Dann, wenn alle weissen Rosen blühen. Ansonsten müssen sich die Gartenbesucher_innen anmelden. Wenn es zeitlich möglich ist, öffnen wir gerne das Gartentor. Am Tag der offenen Tür «Flores y Arte» kommen bis zu 500 Leute.
Ich bin der Meinung, dass Gärten allen Menschen gehören und nicht nur den Besitzern. Etwas so wunderbares darf man nicht für sich behalten, sondern man muss es teilen.
Gärten machen Menschen glücklich.

Haben Sie während dieser Zeit noch Privatsphäre?

Wie buchstabiert sich Privatsphäre?

Die Gestaltung Ihres eigenen Gartens war auch der Start Ihrer Arbeit als Gartendesignerin. Inzwischen hat das Unternehmen Son Muda Gardens 36 Mitarbeitende. Sie betreuen Gärten auf der ganzen Insel.

Ja. Das Leben ist das was einem passiert, während man versucht es zu planen. Dieses grossartige Abenteuer Son Muda Gardens habe ich niemals gesucht oder erträumt. Es hat mich gefunden.
Ausserdem: Alle unsere Mitarbeitenden hatten zuvor keinen Job und keiner von ihnen war zuvor Gärtner.

Noch eine Frage zum Schluss: Welche sind Ihre Lieblingspflanzen?

Für mein kleines Herz die weissen Rosen. Für mich und die Welt die Olive: Ihre Kraft, ihre Ausdauer und ihre Präsenz verbunden mit der Erinnerung, dass wir nur für den Zeitraum eines Wimpernschlags auf dieser Welt sind.

www.sonmuda.com

Die Baseballspielerin

Jamie Bastian (16) ist eine der wenigen Baseballerinnen in der Schweiz und die einzige Frau, die in der NLA spielt.
Jamie Bastian (16) is one of the few baseball players in Switzerland and the only woman who plays in the NLA.

Jamie, du lebst in Australien und verbringst gerade ein Jahr in der Schweiz. Was hat dich hierhin gebracht?
Jamie, you live in Australia and you are currently spending a year in Switzerland. What brought you here?

Ich absolviere gerade ein Austauschjahr in der Schweiz. Zur Auswahl standen noch andere europäische Länder, Brasilien oder Taiwan. Ich fand die Schweiz jedoch das ansprechendste Land. Ich liebe Snowboarden und die Berge, weshalb die Schweiz für den Austausch die richtige Wahl war.
I’m on an exchange year in Switzerland. I had choices to go to other countries in Europe, Brazil or Taiwan, but I found Switzerland the most appealing. I love snowboarding and the mountains so Switzerland was the right choice for that.

Wo lebst du in Australien?
Where do you live in Australia?

Ich komme aus einer sehr schönen Vorortgegend von Melbourne im Bundesstaat Victoria.
I come from Melbourne (Victoria), from the suburbs in a very beautiful area.

In welchem Club spielst du hier in der Schweiz? Und in Australien?
In which club do you play in Switzerland? And in Australia?

In Australien spiele ich seit etwas mehr als 10 Jahren beim Doncaster Dragons Baseball Club. Es ist ein sehr guter Club mit vielen talentierten Spielern und einer tollen Gemeinschaft. Hier in der Schweiz spiele ich beim Sissach Frogs Baseball Club. Mein erstes Training hatte ich im Februar und ich hoffe, dass ich bis zu meiner Heimreise dort trainieren kann. Ich bin das einzige Mädchen im Club. Ich kann mich aber gut behaupten, weil ich zwei ältere Brüder habe und es gewohnt bin, mit Jungs Baseball zu spielen. Das Team hier hat mich vom ersten Tag an ganz toll aufgenommen.
In Australia I play with the Doncaster Dragons Baseball Club. I have played there for a little over 10 years, they are a very good club in talent and as a community. Here in Switzerland I play with the Sissach Frogs Baseball Club. I attended my first training in February and will hopefully train with them until I leave. I am the only girl in the club, but I have grown up playing baseball with boys and I also have two older brothers, so I know how to stand my ground. The whole team made me feel very welcomed when I arrived.

Ist in Australien diese Sportart verbreitet bei Frauen?
Is Baseball popular among women in Australia?

In Australien ist es üblicher, dass Frauen Baseball spielen. Ich spiele in einer Frauenmannschaft mit Spielerinnen zwischen 15 und 35 Jahren. In unserem Junioren-Team gibt es auch 5 Mädchen und in unserer Männermannschaft spielt ebenfalls ein anderes Mädchen. Ich schätze, dass die Sportart bei Frauen in Australien zunehmend beliebter wird, was für den Verband grossartig ist.
It is more common in Australia for women to play baseball, I play in a women’s team with players from 15-35 years old. In my junior’s team there are also 5 girls, And in my men’s team there is also another girl. I would say that women’s baseball is growing in Australia which is great for the federation.

Was vermisst du am meisten hier in der Schweiz?
What do you miss the most in Switzerland?

Am meisten vermisse ich meine Schwester. Sie ist 18 Jahre alt und hat das Down-Syndrom. Sie ist die süsseste Person auf der Welt – ich liebe sie so sehr. Ich vermisse auch mein Frauen-Baseballteam in Australien, weil ich dort viele gute Freunde habe. Aber ich weiss, dass ich nach meiner Rückkehr überall wieder anknüpfen kann. Es gibt natürlich viele Dinge aus Australien, die ich hier vermisse. Aber nichts ist so wichtig, dass es mir Probleme bereiten würde. Ich liebe die Schweiz und weiss, dass ich das «Land der Schokolade» mehr vermissen werde, wenn ich anfangs des nächsten Jahres wieder nach Australien zurückkehren werde.
I definitely miss my sister the most. She is 18, has Down-Syndrome and she is the sweetest thing in the world – I love her so much. I miss my women’s baseball team in Australia because I have so many friendships within the team. But I know I’ll pick everything back up when I go back. There are a lot of things I miss from Australia but nothing so big it causes me problems here. I love Switzerland and I know I will miss «the land of chocolate» more when I go back at the start of the year.

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Das Austauschjahr von Jamieson (Jamie) Bastian wurde vom Rotary Club Sissach-Oberbaselbiet ermöglicht. Die Schülerin ist für je vier Monate in drei verschiedenen Gastfamilien untergebracht. Ziel dieses Austauschjahres ist die Sprache (Deutsch) und die Schweizer Kultur näher kennenzulernen.
The exchange year of Jamieson (Jamie) Bastian was made possible by the Rotary Club Sissach-Oberbaselbiet. The student is staying with three different host families for four month each. The aim of this exchange year is to learn the language (German) and to experience the Swiss culture.

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WOMEN’S BASEBALL WORLD CUP

Der Women’s Baseball World Cup fand dieses Jahr in Florida statt mit Spielerinnen aus 12 Ländern. In der Schweiz ist diese Sportart beinahe unbekannt. Genauso wie Softball, eine Sportart, die hier vorwiegend von Frauen gespielt wird.

Buch zum Thema Frauen und Baseball: «A Game of Their Own: Voices of Contemporary Women in Baseball» von Jennifer Rings

Übersetzung: Michaela Stalder, Basel

Zürich – Peking mit dem E-Bike

Andrea Freiermuth (*1972) fährt mit dem E-Bike von Zürich nach Peking. Zuvor war noch nie jemand mit einem handelsüblichen Elektrorad auf dieser Strecke unterwegs.

Titelfoto: Nach rund 3000 Kilometern auf dem E-Bike überquert Andrea F. den Bosporus per Fähre. 

Frau Freiermuth, was ist Ihre Motivation für eine so lange Reise mit dem E-Bike?

Andrea Freiermuth: Ich habe schon mindestens mehr als die Hälfte meines Lebens hinter mir. Da überlegt man sich, was man noch alles machen möchte. Bei mir ist das unter anderem mehr Velofahren. Ich weiss, das klingt verrückt, macht mich aber glücklich, insbesondere wenn ich das Radfahren mit Reisen verbinden kann. Zudem ist das Ganze für mich wie eine Weiterbildung on the Road. Mein Blog www.shebikerider.ch ist eine Spielwiese für multimediale Erzählformen. Da gibt es für mich als Printjournalistin viel Neues zu entdecken. Und last but not least: Ich finde E-Bikes eine super Erfindung. Wer aufs E-Bike anstatt ins Auto sitzt, tut viel für die Umwelt. Aber leider denken immer noch zu viele Leute, elektrische Unterstützung sei bloss was für Rentner und andere Flachfahrer. Ich möchte dazu beitragen, dass sich das Image der E-Bikes ändert.

Zum ersten Mal Kopftuchzwang: Besuch der Blauen Moschee in Istanbul. (Bild: Andrea Freiermuth)

Könnten Sie das Velo notfalls auch selber reparieren?

Ich kann sicher einen platten Schlauch flicken und neue Bremsbeläge montieren. Für alles andere habe ich Videoaufnahmen auf meinen Computer, die ich in der Werkstatt von Flyer gemacht habe, wo mir die wichtigsten Handgriffe gezeigt wurden.

Wie haben Sie Ihre Route geplant? Immer den Steckdosen nach?

Einfach immer Richtung Osten. Wobei das in den heissen Sommermonaten auf dem Balkan dann zuweilen hiess: Immer dem kühlen Nass nach oder ab in die Höhe. Zudem habe ich mich für die Südroute via Türkei und den Iran entschieden, da ich diese Länder sehr spannend finde. Und klar: Ich brauche mindestens jeden zweiten Tag eine Steckdose. Die zu finden, war aber bisher kein Problem.

Wo sind Sie gerade? Wie ist es bisher gelaufen?

Am Bosporus. Bisher hat alles super funktioniert: Der Flyer hatte nie eine Panne, ich war nie krank und mit meinem ersten Reisepartner von Zürich nach Istanbul habe ich mich bestens verstanden. Allerdings mache ich mir derzeit etwas Sorgen wegen dem Iran, in den ich gemeinsam mit zwei anderen Frauen einreisen wollte. Die beiden haben nun aber kalte Füsse bekommen und sich zurückgezogen. Genau dieses Land war aber jenes, das ich nicht alleine machen wollte, sondern am liebsten als starkes Frauenrudel. Aus Foren weiss ich, dass allein reisende Frauen im Iran mit grosser Wahrscheinlichkeit unangenehme Begegnungen haben.

Wie lange werden Sie unterwegs sein?

Theoretisch bis Ende Juni 2019, wobei ich eine Winterpause plane, in der ich von Tadschikistan nach Shanghai fliege, wo ich einen Sprachkurs besuchen möchte. Im Frühling würde ich dann für die letzten drei Monate via Kirgisien nach China einreisen. Aber eben: Zuerst muss ich mal schauen, ob und wie ich im Oktober durch den Iran komme.

> www.shebikerider.ch

Politik als Passion

Dr. Regine Sauter (*1966) ist Direktorin der Zürcher Handelskammer und Nationalrätin

Frau Sauter, warum sind Sie in der Politik aktiv?

Regine Sauter: Politik war schon immer meine Passion. Bereits in der Kantonsschule habe ich mit Kollegen debattiert und gross war mein Bedauern, dass ich bei der ersten Abstimmung über den Beitritt der Schweiz zur UNO 1986 noch nicht stimmberechtigt war. Auch während meiner Studienzeit war ich stark engagiert, zum einen als Präsidentin des Studentenparlaments, zum anderen im Zusammenhang mit der Abstimmung über den Beitritt der Schweiz zum EWR. Dass die Schweizer Bevölkerung diesen damals abgelehnt hat, empfinde ich noch heute als verpasste Chance.

Für mich war schon früh klar, dass ich – sobald ich mich irgendwo längerfristig niederlasse – auch selber politisch aktiv sein will. Die Möglichkeiten in der Schweiz, in allen Bereichen mitwirken zu können, empfinde ich als ein grosses Privileg. Jene, die nur am Stammtisch sitzen und über alles schimpfen, haben das nicht verstanden. Ich bin dann der FDP beigetreten und habe in der Kreispartei meines Quartiers mitgewirkt.

Seit 2015 darf ich nun den Kanton Zürich im Nationalrat vertreten, nachdem ich vorher 11 Jahre im Kantonsrat war.

Politik und Beruf – geht das?

Ich bin eine grosse Verfechterin des Milizprinzips. Politik und Beruf müssen sich vereinbaren lassen, davon bin ich überzeugt. Der gegenseitige Austausch ist wichtig. Wir schaffen damit zum einen relevantere, das heisst in der Praxis besser umsetzbare gesetzliche Regelungen. Zum anderen sorgen wir dafür, dass das Verständnis für die Bedeutung der politischen Rahmenbedingungen auch in der Wirtschaft erhalten bleibt.

Natürlich, es ist nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Die Belastung ist mit dem Amt im Nationalrat auch deutlich höher als im Kantonsrat. Zudem ist die Arbeitsweise anders, der Nationalrat trifft sich vier Mal pro Jahr zu einer dreiwöchigen Session, der Kantonsrat tagt einmal pro Woche am Montagmorgen. Nötig ist deshalb eine gute Organisation. Zudem kann ich darauf vertrauen, dass meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Zürcher Handelskammer, die ich leite, alle eine hervorragende Arbeit leisten, auch wenn ich nicht da bin.

Zeit für viel Anderes bleibt nicht wirklich. Ich gehe aber gerne und häufig in die Oper, benutze die ruhigen Sommerwochen für eine Reise an einen spannenden Ort, und zu Hause bekoche ich gerne Freunde und Familie, das empfinde ich als wunderbaren Ausgleich.

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Welche Frauen sollte man kennen?

Vreni Spoerry, die ehemalige Zürcher National- und Ständerätin, finde ich eine tolle Frau. Sie überzeugt durch Fach- wie durch Sozialkompetenz gleichermassen und ist – auch noch im nun etwas höheren Alter – eine spannende Gesprächspartnerin.

Sarah Springman, die Rektorin der ETH Zürich, beeindruckt mich sehr. Ihr Curriculum ist herausragend, ihr Amt füllt sie mit grosser Würde. Und wenn man sie trifft, hat man immer das Gefühl, dass sie im Moment nichts anderes interessiert als die Person, die vor ihr steht.

Iris Flückiger, General Manager im Hotel Schweizerhof in Bern, ist so, wie ich mir eine Gastgeberin vorstelle. Wenn ich dort an einem Anlass bin, fühle ich mich wohl, und es gefällt mir, wenn versucht wird, neue Wege zu beschreiten, ohne dass das gleich in «wir sind jetzt so szenig» ausartet. Dies ist ihre Handschrift.

> www.reginesauter.ch